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  • Josette Andreae-Lipinski

ES GEHT AUCH MAL LANGWEILIG

19./20./21.09.2019

Da in den letzten Tagen nichts passiert ist, über das ich etwas hätte schreiben können, hier eine kurze Zusammenfassung. Donnerstag und Freitag war auf der Station nur sehr wenig los und wenn nichts zu tun ist, sitzt man!!!

Da alle schon mindestens seit fünf Uhr auf den Beinen sind, es natürlich auch Tage gibt, an denen viele Frauen zur Vorsorge kommen und die Hebammen auch in der Nacht raus müssen um eine Geburt zu betreuen, nutzt man die ruhigen Dienste und macht mal nichts. Der September war bisher ein sehr ruhiger Monat und langsam zehrt das Nichtstun an meinen Nerven. Typisch deutsch, würde ich mal sagen. Jeder eben nach seiner Fasson. Mir tut schon der Allerwerteste weh vom Sitzen, aber es wäre unhöflich umher zu laufen, geschweige denn sich irgendeine Arbeit zu suchen. Also nutze ich die Zeit, beobachte und bringe meine Gedanken zu Papier.


Um die ghanaische Mentalität wirklich zu verstehen, muss man vermutlich sehr viel Zeit am Stück hier verbringen. Das merke ich ja schon nach knapp vier Wochen. Meine Sicht auf die Dinge hat sich im Laufe der Zeit schon verändert.

Für eine Ghanaerin, fängt ein Tag zwischen 4:30 und 5:00 Uhr an und ist mit viel Arbeit ausgefüllt. Das erste Geräusch, dass ich neben den Hähnen sehr früh höre, ist das Geräusch der kleinen Handbesen, mit denen morgens als erstes ausgefegt wird. Da hier die Häuser entweder keine richtigen Fenster haben oder so gebaut sind, dass sie gut durchlüftet werden, wird auch viel Staub und Sand herein geweht. Außerdem gibt es reichlich Geckos, die immer und überall eine Ritze finden, um in den Räumen Insekten zu fangen und auch ihre Hinterlassenschaften müssen jeden Tag beseitigt werden. Danach wird meistens schon Feuer gemacht, um Essen vorzukochen. Viele haben einen Gaskocher zu Hause, aber Gas ist teuer und darum gibt es überall kleine Feuerhaken oder aber sie haben eine Feuerstelle draußen, auf der gekocht wird. Sarah oder ihre Ziehtochter Princess, kochen oft schon ganz früh morgens Banku (ein Brei aus Maismehl und einer Wurzel), eine Beilage die hier viel gegessen wird. Da Sarahs Mann eine kleine Farm hat, kocht sie auch für ihn und die Arbeiter vor, damit die über den Tag etwas zu essen haben. Überhaupt sind scheinbar alle sehr mit der Vorbereitung der Mahlzeiten beschäftigt, weil sie später am Tag nicht unbedingt Zeit dazu haben. Morgens wird auch oft noch gewaschen, so dass alles fertig ist, wenn sie zur Arbeit gehen. Waschen heißt hier aber nicht, schnell alles in die Maschine stopfen, sondern per Hand waschen. Die Hebammen hier gehen meist so gegen 8 Uhr zur Arbeit.

Ich habe nur wenig Einblick in die Tagesabläufe anderer Familien, aber ich sehe, dass alle ständig etwas zu tun haben. Alt und Jung hilft nach Kräften und Fähigkeiten mit und schon die Kinder sitzen neben den Feuern und fächern Luft hinein, damit es gut brennt. Einige Frauen haben eigene kleine Verkaufsstände, an denen sie Obst und Gemüse und andere frische Lebensmittel anbieten. Andere haben eine Hütte, in der sie zum Beispiel eine Schneiderei oder einen "Frisörsalon" betreiben.



Viele Frauen laufen auch den ganzen Tag mit schweren Tabletts oder Körben auf ihren Köpfen durch den Ort und verkaufen fertiges Essen, Obst, geräucherte Fische, Stoff und vieles mehr. Dabei tragen Sie oft auch noch Ihre Kinder auf dem Rücken. Die Kinder werden hier übrigens nur aus praktischen Gründen auf dem Rücken getragen, es hat nichts mit bonding oder ähnlichem zu tun. Es gibt hier keine Kinderwagen-taugliche Straßen und auch bei der Arbeit müssen sich die Frauen bewegen können.

Am Abend gibt es auch immer noch was zu tun und da hier die Kirche auch eine große Rolle spielt, braucht man auch Zeit für die Andacht. Kein Wunder, dass so ein Tag meistens schon

um 21 - 22 Uhr endet.

Seit dem ich hier bin, beobachte ich nun die "Maiswerdung". Unfassbar, wie viel Arbeit da drin steckt. Erst ewiges wenden und abdecken und wieder wenden, damit der Mais trocknet und jetzt wird alles per Hand gesiebt, verlesen und in Säcke verpackt, die Sarah mit der Hand zunäht. Auch Sonntags, denn der Mais fragt nicht nach Wochentagen.

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick in "unseren" Tagesablauf geben, denn auch mein Tag fängt sehr früh an und auch wenn ich nur einen Bruchteil dessen mache was zu tun ist, bin ich am Abend früh müde.

Der Samstag war dann auch ganz unspektakulär. Ein bisschen Hausarbeit, Rundgang durch den Ort, lesen und sonst nichts tun.


Habt alle ein entspanntes Wochenende.

Herzlichst

Eure Josette

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